Gelbbauchunke (Bombina variegata)

Über die Gelbbauchunke

Die Gelbbauchunke ist ein etwa 3-5cm langer Froschlurch. Sie besitzt auf der Oberseite eine graubraune, warzige Haut mit kleinen dunklen Flecken. Bei genauem Hinsehen kann man erkennen, dass die Unke herzförmige Pupillen hat. Der Bauch ist glatt, grau bis schwarz und von unregelmäßigen gelben bis orangen Flecken durchsetzt. Der Gelb-Anteil kann zwischen 10% und 80% variieren. 

Das gelbschwarze Muster ist ein Warnmuster und kennzeichnet in der Natur fast immer giftige bzw. schlecht schmeckende Tiere. Das Hautgift der Gelbbauchunke führt beim Verschlucken, z.B. durch Raubtiere wie Iltis und Fuchs, zu heftigem Erbrechen. Für den Menschen ist es ungefährlich, kann aber bei Kontakt mit den Schleimhäuten Rötungen und Juckreiz hervorrufen und sollte schnellstmöglich mit Wasser abgewaschen werden.

In vegetationsarmen Tümpeln sind die Tiere gut getarnt.

Eier und Kaulquappen

Gelbbauchunken befestigen ihre kurzen Laichschnüre gerne an Ästchen oder Grashalmen.

 

Gelbbauchunken bei der Paarung

Lebensraum

Natürliche Bachaue mit Kleingewässern

 

Die Gelbbauchunke bewohnte ursprünglich Bach- und Flussauen besonders der Mittel- und Hochgebirge und besiedelte im Zuge der Auendynamik entstandene temporäre Tümpel. Da die natürliche Auendynamik weitgehend verloren gegangen ist, findet man sie mittlerweile in NRW nur noch in von Menschen geschaffenen Sekundärlebensräumen. Hier findet sie Böden ohne Bewuchs, Aufschüttungen mit Hohlräumen und immer wieder neue Wasserstellen. Die Dynamik spielt, wie bei allen Abgrabungsamphibien, eine wichtige Rolle. Sukzession und dauerhafte Brache-Stadien sind nachteilig für das Bestehen einer Gelbbauchunkenpopulation. Auffällig ist, dass die Art fast immer nur in der Nähe von größeren Laubwäldern vorkommt.

Ersatzlebensraum in einer Tongrube

 

Gewässer

Die Gelbbauchunke ist auf sonnige, temporäre, vegetationsarme Klein- und Kleinstgewässer angewiesen, die sich schnell erwärmen und frei von konkurrierenden Arten und Fressfeinden sind. Sie legt ihre Eier in Gewässer, die durch starke Bodenverdichtung oder auf offenen lehmigen bzw. tonigen Böden entstanden sind. Man findet diese Pionierart heute daher häufig in Steinbrüchen oder Tongruben sowie auf Truppenübungsplätzen. Typisch für die Unke sind Fortpflanzungsgewässer mit einer Größe von wenigen Quadratmetern und einer Tiefe von 15 bis 60cm. Gelbbauchunken legen ihre Eier nur in Gewässer, die spärlichen Pflanzenbewuchs aufweisen. Pflanzenreiche Tümpel dienen als Aufenthaltsgewässer.

   

Vegetationsarme Tümpel unterschiedlicher Größe in sonniger Lage

 

Spontan entstandenes Gewässer in einem Windwurf

 

Von Wildschweinen aufgegrabene nasse Bodensenke

Verbreitung in NRW

Verbreitungskarte der Gelbbauchunke (Bombina variegata) in NRW, TK 25 Rasterdarstellung, Stand 2015, Nachweise ab 2000. Aus: MKULNV (Hrsg. 2015): Geschützte Arten in Nordrhein-Westfalen. Vorkommen, Erhaltungszustand, Gefährdungen, Maßnahmen, Düsseldorf, 265 S.

Jahresverlauf in der Rohstoffgewinnungsstätte

Die Unke verlässt meist im März die Winterquartiere. In der Gewinnungsstätte sind das vor allem größere Schotter-und Geröllhalden, Böschungen oder Totholzhaufen. Wenn Wald in der Nähe ist, überwintern die Tiere meist dort. Oft werden Kleinsäugerbaue zur Überwinterung genutzt. Ab März/April findet man sie in den Laichgewässern oder im direkten Umfeld. Sie sind nicht wie die meisten anderen Amphibien nur nachtaktiv, sondern auch am Tag in den Gewässern zu sehen. Nachts wandern sie gelegentlich zwischen den Gewässern umher. Eier werden von April bis August gelegt; die ersten Jungtiere wandeln sich im Juni um, die letzten im Oktober.

Ab Mitte September verlassen die erwachsenen Tiere die Gewässer und begeben sich wieder in die Winterquartiere an Land.
 

Gefahren in der Rohstoffgewinnungsstätte

- Tötung von Wechselkröten im Sommerhalbjahr durch Beschädigung von mit Larven besetzten Laichgewässern und Überfahren / schnelles, großflächiges Überschütten von Gelbbauchunken im Landlebensraum

Tötung von Gelbbauchunken im Winterhalbjahr durch Umschichtung von Halden und Abgrabung von Böschungen, die dann als Winterquartier genutzt werden

- Schädigung von Winterquartieren und Tieren durch Abgrabung von neuen Wald-Bereichen

- Ersatzlose Verfüllung von Laichgewässern

- Entwertung von dauerhaften Laichgewässern (z.B. Pumpensümpfe, Klärteiche) durch Einbringung von Fischen 

- Entwertung von temporären Laichgewässern und Landlebensräumen durch Zuwachsen mit Vegetation

 

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