Kreuzkröte (Epidalea calamita)

Über die Kreuzkröte

Kreuzkröten-Weibchen werden bis 8cm groß, die Männchen bleiben etwas kleiner. Wie bei allen unseren Kröten ist die Haut warzig, wobei die größeren Warzen oft rot eingefärbt sind. Die Oberseite hat eine variable Grundfärbung, die von beige, über gelb und braun bis oliv reichen kann, und mit dunkleren Tarnflecken – meist in grün, oliv oder braun– durchsetzt ist. Fast alle Kreuzkröten besitzen einen durchgehenden hell-gelben Längsstreifen entlang des Rückgrats bis zu den Augen. Anders als die
anderen Kröten hüpft die Kreuzkröte wenig, sondern bewegt sich krabbelnd wie eine Maus vorwärts.

Die Kreuzkröte ist wie keine andere Amphibienart an das Leben in Sand-und Kiesabgrabungen angepasst, denn ihre Färbung ist die perfekte Tarnung im Sand und Kies. Sie legt tausende von Eiern in die flachsten Pfützen und die Kaulquappen können sich in etwa 4-5 Wochen, im Extremfall sogar in weniger als 3 Wochen in kleine Kröten umwandeln, wenn das Gewässer auszutrocknen droht. Außerdem gräbt sie sich zum Schutz vor Trockenheit oder extremen Temperaturen rückwärts in den Sand ein. Auch im Winter ruht sie bis zu einem Meter tief im Sand versteckt und wartet auf das Frühjahr. 

 

Unterscheidung von der Wechselkröte

Wechselkröten haben stets scharf umgrenzten grünen Flecken auf weißem bis grauem Grund und keinen deutlichen gelben Rückenstreifen.

Kreuzkröten besitzen meist eine braune-beige-gelbe Grundfärbung mit verwaschenen grünlich-braunen Flecken und einem deutlichem gelben Rückenstreifen. 

Oben: links Wechselkrötenweibchen, rechts Kreuzkrötenweibchen

Unten: links-oben Kreuzkrötenmännchen, rechts-unten Wechselkrötenmännchen

Eier und Kaulquappen

Kreuzkröten legen, wie auch die Wechselkröten, ca. 2m lange Eischnüre im flachen Wasser ab. Oft reicht ihnen eine wassergefüllte Fahrspur. Die Laichschnüre enthalten mehrere tausend Eier in ein oder zwei Reihen. 

Kreuzkröten-Kaulquappen bleiben dunkelbraun und passen ihre Farbe - anders als die Kaulquappen der Wechselkröte - nicht dem Untergrund an. Sie liegen gerne tagsüber im flachen Wasser herum. Je wärmer das Wasser ist, desto schneller entwickeln sie sich. 

 

Da Kreuzkröten ihre Eier meist in extrem flache Pfützen legen, sind die Kaulquappen austrocknungsgefährdet.

Lebensraum

Die Kreuzkröte ist ursprünglich eine Art der großen Ströme wie z. B. des Rheins. Hier lebte sie auf den Sand- und Kiesbänken und den Flussbegleitenden sandigen Ufern, Auen und Binnendünen. Sie braucht grabbare Böden, da sie sich anders als sie meisten anderen Amphibien häufig eingräbt statt bereits existierende Höhlen, wie Mäusegänge etc. zu nutzen.
Da typische Sand- und Kiesabgrabungen genau diese Faktoren bieten, sind die Tiere nach der Begradigung und dem Ausbau der großen Flüsse hierhin umgezogen. Man findet sie in der Kölner Bucht aber auch auf Äckern, wenn sich dort im Sommer Wasserlachen sammeln.

 

Gewässer

Die Kreuzkröte ist an kurzlebige Hochwassertümpel und ähnliche temporär wasserführende, sonnige Kleingewässer angepasst. Diese müssen fischfrei sein und auch möglichst keine anderen Fressfeinde (z.B. Käfer- und Libellenlarven) enthalten, da die Kaulquappen nur langsam schwimmen. Die Größe der Gewässer ist für die Kreuzkröte unerheblich. Sie laicht sowohl in Lachen von mehreren 100qm als auch in Fahrspuren von weniger als 1qm. Die Gewässer sollten voll besonnte, flache Ufer haben und in weiten Teilen nicht tiefer als 20-30cm sein, sodass sich das Wasser schnell erwärmt. Darüber hinaus müssen sie nach einem Regen mindestens einen Monat lang das Wasser halten. Es ist von Vorteil, wenn die Gewässer im Spätsommer / Frühherbst austrocknen, da hierdurch konkurrierende Arten und vor allem Fressfeinde (wie beispielsweise Fische) verhindert werden.
 

Verbreitung in NRW

Verbreitungskarte der Kreuzkröte (Epidalea calamita) in NRW, TK 25 Rasterdarstellung, Stand 2015, Nachweise ab 2000. Aus: MKULNV (Hrsg. 2015): Geschützte Arten in Nordrhein-Westfalen. Vorkommen, Erhaltungszustand, Gefährdungen, Maßnahmen, Düsseldorf, 265 S.

Jahresverlauf in der Rohstoffgewinnungsstätte

Die Kreuzkröte wird meist im März aktiv und wartet in Sand-, Kies- oder Geröllhalden versteckt auf die ersten warmen Abende über 10°C mit oder nach Regen. Die ersten geeigneten Nächte liegen meist im April und ab diesem Zeitpunkt findet man die Tiere nachts in den Abgrabungen. Sie wandern auf der Suche nach geeigneten Laichgewässern umher und sind nicht sonderlich ortstreu. Im Prinzip befinden sich die Kreuzkröten das ganze Sommerhalbjahr in Wartestellung und sind bereit, nach jedem Starkregen die Gewässer aufzusuchen, um dort Eier abzulegen. Die stärkste Laich-Aktivität findet im April und Mai statt, einzelne Tiere legen aber auch noch im Juli Eier ab. Vom Regen und den Temperaturen animiert bilden Kreuzkrötenmännchen Rufchöre, die einige 100m weit hörbar sind. Bei passendem Wetter lassen sie ihren ratternden Ruf von der Dämmerung bis nach Mitternacht hören. Ab September/ Oktober begeben sich die Kreuzkröten wieder in die Winterquartiere.

 

Gefahren in der Rohstoffgewinnungsstätte

- Tötung von Kreuzkröten im Sommerhalbjahr durch Beschädigung von mit Larven besetzten Laichgewässern und Überfahren / schnelles, großflächiges Überschütten von Tieren im Landlebensraum

- Tötung von Kreuzkröten im Winterhalbjahr durch Umschichtung von Halden und Abgrabung von Böschungen, die dann als Winterquartier genutzt werden
- Ersatzlose Verfüllung von Laichgewässern - Entwertung von dauerhaften Laichgewässern (z.B. Pumpensümpfe, Klärteiche) durch Einbringung von Fischen 

- Entwertung von temporären Laichgewässern und Landlebensräumen durch Zuwachsen mit Vegetation
 

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